Schwalbe G-One Speed Gravel Reifen im Test -Speed steht für Rennradfeeling

Für Gravelbiker gibt es mittlerweile eine Riesenauswahl an Reifen. Alleskönner und Spezialisten. Ich habe mir über den Sommer den Schwalbe G-One Speed sehr genau angeschaut und bin ein Fan geworden. Alle, die eine Allzweckwaffe fürs Gelände suchen, können jetzt aufhören zu lesen. Wenn ihr aber Lust auf echtes Rennradfeeling mit dicken Reifen habt und eure Trainingsrunden ab und zu mal um den ein oder anderen Schotter- oder Feldweg erweitern wollt – schaut euch den Reifen mal genauer an.

Schwalbes G-One Reifen für Gravel

G-One ist die Reifenserie, die Schwalbe speziell fürs Gravelbiken entwickelt hat. Die Reihe besteht aus vier Reifen mit unterschiedlich ausgeprägten Profilen: grobe Stollen für schwereres Gelände und feinere Profile für mehr Straßenkilometer. Ich habe mittlerweile alle getestet und finde, man kann teilweise deutliche Unterschiede feststellen. Die G-One Speed habe ich sowohl Tubeless als auch mit Schlauch getestet. Meine Empfehlung geht mittlerweile aber immer Richtung Tubeless. Es sei denn, du willst oft wechselnde Profile auf derselben Felge fahren – das geht mit Schlauch schneller.

  

Montage im Handumdrehen

Die Montage war in meinem Fall eine Offenbarung – es war kinderleicht! Ich habe mit Tubeless Reifen von Schwalbe generell selten Probleme, sie auf meine Felgen zu bekommen – ganz im Gegensatz zu vielen italienischen Modellen. Bei den G-One Speed ging es fast wie von selbst. Ich habe sie auf recht breite Fulcrum-Felgen gezogen und brauchte noch nicht mal einen Reifenheber oder sonstige Hilfsmittel. Das Tubeless-Setup konnte ich sogar mit einer normalen Standpumpe aufpumpen. Und mit genügend Dichtmilch war der Reifen auch schnell abgedichtet. Ich weiß das das jetzt nicht für Jeden und jede Felge gilt, bei mir hat es aber stress frei funktioniert.

Erster Eindruck

Der G-One Speed ist der Reifen mit dem wenigsten Profil im Gravel-Sortiment von Schwalbe. Er ist übersät mit sehr vielen kleinen, runden Noppen. Die findet man im Gelände-Sortiment von Schwalbe an vielen Reifen, sei es für Gravel- oder Cyclocross-Bikes. Ich habe die 40mm Breite getestet – die schaut am Rad aus wie ein Rennradreifen mit Übergewicht. Früher habe ich mir im Winter auf meinen Crosser immer die Marathon-Reifen aufgezogen, um damit bei Straßen-Feldweg-Kombinationen Kilometer abzuschrubben. Der Reifen war zwar quasi unplattbar, aber sackschwer und langsam. Mein erster Eindruck sagte mir: Das kann der G-One Speed viel besser.

Fahreindruck? Ja, der ist schnell!

Als allererstes fiel mir auf, dass Schwalbe einen Luftdruck von 3 Bar empfiehlt. Das habe ausprobiert, aber mittlerweile fahre ich viel besser bei 2,3–2,6 Bar. Es fährt sich sehr viel komfortabler an, ohne dabei deutlich langsamer zu wirken. Gefahren fühlt sich der Reifen fast wie ein klassischer Rennradreifen an, auf der Straße merkt man nicht wirklich einen Unterschied. Selbst schnelle Kurven mit ordentlich Kurvenlage gehen sehr gut – deutlich besser als andere Gravel-Reifen. Ich denke, das liegt vor allem an der runden Grundform und der nicht vorhandenen Seitenstollen, über die man bei auf der Straße bei starker Schräglage gerne mal drüberholpert und so den Grip verliert. Das bedeutet aber auch, dass man mit dem G-One Speed Kurven auf losem oder weichem Untergrund mit Vorsicht nehmen sollte. Unebenheiten bügelt der Reifen mit seinem großen Volumen und weichen Seitenwänden angenehm glatt. Auf Feldwegen und Schotter haben die kleinen Stollen überraschend viel Haftung, nur feucht darf es nicht werden. Seine Qualitäten spielt der G-One Speed besonders gut auf Kopfsteinpflaster aus: Die Stöße schluckt er locker weg und hat auch noch etwas Grip in Reserve.

Wo würde ich damit fahren?

Der Reifen ist spitze als Spezialist, hat aber auch deutliche Nachteile hinsichtlich seiner Vielseitigkeit. Auf schlechten Straßen macht er viel Spaß und gelegentliche Ausflüge über Feldwege sind genau sein Ding. Sobald es zu sehr ins Gelände geht, zeigt er gutmütig, aber schnell seine Limits. Die Stollen sind nicht aggressiv genug, um mit einem Singletrail fertig zu werden. Aber fürs Kilometerfressen auf Gravel-Touren im Sommer ist er ausgezeichnet. Ich würde sagen, sein Einsatzgebiet ist so 95% Straße und 5% Schotter. Selbst auf Ausfahrten mit einer Rennradgruppe hatte ich keine großen Nachteile. Er kommt nicht so spritzig aus den Kurven, aber wenn der Reifen einmal rollt – dann rollt er schnell.

Fazit:

Sehr schneller Gravel-Reifen, mit dem sich übliche Rennradtouren um eine paar Abstecher erweitern lassen. Im Sommer kann man damit ruhig alles Fahren – Straße und Schotter. Nur darf es nicht Nass werden oder zu sehr ins Gelände gehen – da ist dann schnell Schluss. Ich denke, als 30mm-Version macht er sich auch auf vielen Marathon-Rennrädern gut und erweitert deren Einsatzgebiet.

„Meine Beine sprechen für mich.“

Previous Post

2 Comments

  • Hallo Lutz,
    bis auf den Ultra Bite habe ich auch schon alle G-One gefahren. Ich habe mittlerweile einen zweiten Laufradsatz für das Gravelbike mit 30er G-One Speed Reifen. Vorrangig für Brevets von 200 km und mehr, da es dort doch überwiegend über Asphalt geht. Meist bin ich allerdings den G-One Bite in 40er Breite gefahren. Die problemlose Montage kann ich bei den Schwalben teils bestätigen. Auf meinen Hunt Felgen ging das super rauf und runter, auf den originalen SRAM Roam40 Felgen von meinem Votec VRX war das schon deutlich komplizierter.
    Ursprünglich war dort der G-One Allround montiert in 35er Breite. Ein guter Kompromiss. Allerdings fährt sich das Profil, je feiner es wird, auch schneller ab. Bei den G-One Speed habe ich am Hinterrrad schon deutlichen Verschleiß nach knapp 1.200 km. Der Allround hat gut 3.500 km gehalten und der Bite lief auf dem Hinterrad immerhin >10.000 km. Bis auf den Speed, der überwiegend auf Asphalt bewegt wurde, ist das Verhältnis Straße / Schotter und Schlimmeres etwa ausgewogen.
    Ich fahre alle auch tubeless, bei den 30mm des Speed ist aber scheinbar eine Grenze erreicht ab wo es Probleme mit der Abdichtung zu geben scheint. Hier musste ich deutlich häufiger nachpumpen.
    Aktuell habe ich hinten einen Conti Terra Trail in 40 mm drauf. Sieht dem G-One Bite vom Profil her sehr ähnlich. Ich hatte dort aber häufiger Undichtigkeiten bei Einstichen, die nicht sofort abgedichtet wurden. Das ist beim Schwalbe so nicht aufgefallen. kann natürlich auch Zufall sein.
    Vorne läuft seit fast 14.000 km immer noch der G-One Bite und so wie es aussieht hält der auch noch eine Weile.
    Ausflüge in die Welt der WTB Reifen haben sich schnell erledigt. Meiner Meinung nach können die nicht viel außer gut aussehen, aber das wird von vielen auch anders gesehen. Meine vergeblichen Versuche die Dinger dicht zu kriegen kannst Du in epischer Breite auf meinem Blog nachlesen, wenn Du magst.
    Mein Fazit: Ich denke es wird in Zukunft wieder ein Bite werden, obwohl ich schon gerne was ausprobiere.
    Viele Grüße,
    Markus

    • Hey Markus,
      besten Dank für dein Kommentar. Deine Erfahrungen decken sich ja so ziemlich mit meinen. Meine Erfahrungen mit den Conti-Reifen waren leider die selben. Den WTB-Reifen würde ich nochmal eine Chance geben – wenn du grobes Profil brauchst, da sind die ganz gut. Nur die Dinger dicht zu bekommen, dafür hat es bei mir mehrere Anläufe gebraucht. Im Moment fahre ich mit G-one allround hinten und vorne Bite sehr gut. Das ist für mich gerade der beste Kompromiss, aber über die Erfahrungen mit den Modellen schreibe ich später noch.

Leave a Reply