Tipps für dein erstes Cyclocross-Rennen

Tipps für dein erstes Cyclocross-Rennen: Cyclocrosser im Schlamm auf einer Rennstrecke

// Bild: Rena Schild / shutterstock.com

Die Cross-Saison ist da – und überall im Land finden kleinere Cross-Rennen oder sogar kleiner Cross-Rennserien statt. Immer mehr etablieren sich auch kleinere Hobbyrennen, die parallel zu den Lizenzrennen stattfinden. Für diese musst du noch nicht einmal in einem Radsportverein Mitglied sein. Interesse? Für alle Hobbysportler, Erstlinge und Schnupperfahrer trage ich hier meine Erfahrungen und Tipps zusammen.

Rennen in der Hobbyklasse

Wenn du dich für ein Rennen interessierst, weißt du vielleicht schon was dich erwartet. Wenn nicht: Auf dich warten sehr intensive 30–40 min auf einem abgesteckten Rundkurs – aber vor allem sehr viel Spaß. Eigentlich beträgt die Rennlänge 30 min, aber der erste Fahrer, und alle, die sich in der selben Runde befinden, dürfen noch ihre Runde beenden, die sie in der Zeit angefangen haben. Die Strecken sind gespickt mit Hindernissen, die deinen Fahrfluss unterbrechen, wie steile Rampen, Treppen oder Holzbretter, die du überspringen musst. Je nach Strecke kommen auch noch Sandfelder dazu.

Generell ist Cross eine Art von Radsport, zu der man sehr schnell Zugang bekommt. Die Hürden, um an einem solchen Rennen teilzunehmen sind recht gering. Man verliert auch nicht so schnell den Anschluss wie bei gewöhnlichen Straßenrennen. Stattdessen wird auf der ganzen Kursrunde gerast: Man befindet sich immer in einer kleinen Gruppe oder in seinem ganz eigenen Kampf.

Die Grundausrüstung

Was du am Anfang brauchst, ist recht überschaubar, steigt aber mit zunehmenden Ambitionen oder Spaß am Sport.

Fangen wir mit dem Bike an:

Für den Anfang brauchst du noch nicht mal einen Corsser. Die meisten Veranstalter lassen dich in der Hobbyklasse auch mit einem MTB starten. Du wirst aber merken, dass das nicht unbedingt die beste Wahl ist. Cyclocrosser sind auf Geschwindigkeit und Handling ausgelegt und absolute Spezialisten darin, enge Kurven schnell zu nehmen und wieder schnell auf Tempo zu kommen. Eine immer populärer werdende Bikegattung ähnelt dem Crosser sehr: das Gravelbike. Damit kann man natürlich auch starten, es ist den reinen Crossern in engen Kurvenfolgen aber schnell unterlegen, da es mehr auf Laufruhe und geradeauslauf getrimmt ist. So ungefähr ist die stark vereinfachte Unterscheidung.

 

Cyclocross-Reifen

 

Die richtigen Reifen:

Der richtige Reifen wird dir rennentscheidende Vorteile bringen und entscheiden ob du erster oder zweiter wirst – so heißt es. Da ist wohl was dran, aber für Anfänger sind andere Faktoren entscheidender. Ob Schlauchreifen, Tubeless oder Clincher ist erstmal nicht wichtig. Wichtiger ist eher, dass du mit dem Luftdruck der Reifen rumspielst. Je weniger Luft du im Reifen hast, desto geschmeidiger wird er und desto mehr Grip kann er erzielen.

Profis fahren ihre Schlauchreifen teilweise weit unter 2 Bar. Mein Tipp: Pump den Reifen nicht so prall auf wie einen Straßenreifen. Fang bei 3 Bar an und lass immer wieder ein wenig Luft raus – bis du gerade noch so keinen Durchschlag bekommst, wenn du z. B. über eine Wurzel bretterst. Probier dich aus! Aus eigener Erfahrung kann ich – als großer schwerer Fahrer – sagen, dass ich Clincher bei 2,5–2,8 Bar und Tubeless-Reifen gut bei 2,1–2,6 Bar fahren kann. Wenn du magst, kannst du dich daran orientieren, allerdings variieren die Werte je nach Körpergewicht und Fahrfähigkeiten.

Der Typische Crossreifen ist zwischen 32–35 mm breit. 33 mm ist die zugelassene breite für UCI Rennen, die meisten Crossreifen werden in dieser Breite angeboten. In der Hobby-Klasse kann man auch mit breiteren Reifen fahren.

Bei den Reifenprofilen gibt es, grob gesagt, 3 Klassen:

den Semislick: mittig mit minimalem Profil und leichten Seitenstollen für harten Untergrund.

den Allround-Reifen: meist mit klassischem Pfeilprofil, der alles gut kann aber halt nichts besonders gut. Ist der beste Kompromiss aus Traktion und geringem Rollwiederstand.

der Matschreifen: große Stollen mit viel Zwischenraum, ideal für sehr schlammige Strecken oder leichten Schnee.

Dazwischen gibt es noch etliche Varianten und für jeden Untergrund einen Spezialisten. Aber gerade für den Anfang würde ich einen Allround-Reifen empfehlen: Er ist der beste Kompromiss. Er rollt im Trockenen immer noch schnell genug und unterstütz dich genug im tiefen Matsch. Für alles dazwischen ist er die beste Wahl. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit Challenge Grifo, Schwalbe X-One Allround und Donnelly MXP gemacht.

Schuhe und Pedale:

Beim Crossen musst du immer wieder vom Rad springen und laufen – durch tiefen Matsch oder steile Hänge hoch. Da brauchst du Schuhe, mit denen du gut und sicher laufen kannst sowie Pedale, an denen nicht der ganze Dreck hängen bleibt und ein Einklicken unmöglich machen.

Eine Kombination aus MTB-Schuhen und MTB-Klickpedalen ist wahrscheinlich die beste Wahl. Mit den MTB-Schuhen bist du in der Lage sicher zu laufen – das geht mit Rennrad-Schuhen nicht so gut. Dazu kommt, dass MTB-Schuhe in der Regel wärmer und wetterfester sind, was in Herbst und Winter nicht das schlechteste ist.

Von Überschuhen rate ich dir ab, selbst wenn du schnell kalte Füße bekommst. Überschuhe funktionieren durch das viele auf- und abspringen eh nicht richtig: Die Zehenkappe klappt um, ist dir nur im Weg und sammelt jede Menge Dreck ein – das behindert dich nur. Ordentliche Socken sind die bessere Wahl.

Sauber bleiben:

Nachdem du dich so richtig dreckig gemacht hast, willst du dein Bike ja irgendwie sauber bekommen, bevor du dich auf dem Heimweg machst. Da helfen entweder nur ein großer Eimer und ein paar Bürsten und Schwämme oder – die etwas komfortablere Variante – ein tragbarer Hochdruckreiniger. Die arbeiten meistens auch mit niedrigem Druck. Also besteht wenig Gefahr für deine Lager und – hey, du fährst Cross! Da leiden die Lager im Rennen oder Training viel mehr als durch einen unglücklich gezielten Wasserstrahl.

Sauberkeit ist ein wichtiges Thema: Starte ein Rennen immer mit einem sauberen Bike! Nur so funktioniert es auch tadellos und hoffentlich bis zum Ende. In schlammigen Rennen wirst du merken, dass ein verdrecktes Bike auch immer schlechter funktioniert. Es bremst nicht mehr so gut und schalten kannst du nur noch einen Teil deiner Gänge. Außerdem wirst du immer langsamer, weil so viel Dreck an deinem Bike klebt, der es schwergängig und schwerer macht. Ambitioniertere Fahrer bringen zum Teil noch ein zweites Bike mit zum Rennen, das sie während des Rennens wechseln. Damit werden sie nicht durch einen Defekt ausgebremst.

An der Startlinie

Der Start ist einer der wichtigsten und chaotischsten Angelegenheiten während des Rennens. Alle wollen in der für sie besten Position in die erste Kurve gehen. Den Boden, den  du hier verlierst, wirst du nur schwer wieder gewinnen. Kleine Tipps, die dir beim Start helfen können:

Schau dir die Strecke an:

Leg besonderes Augenmerk auf den Startbereich. Wo ist die erste Kurve? In welche Richtung geht sie? Wie fahre ich sie am besten an? Und wo ist der meiste Grip?

Bleib warm:

Meistens dauert die Startaufstellung etwas – du kannst also schnell auskühlen. Im Idealfall hast du eine Jacke an, die du erst ein paar Minuten vorm Start ausziehst.

Wähle den richtigen Gang:

Finde deinen „Wohlfühlgang“ mit dem du schnell loskommst! Passt der zum Untergrund? Du willst ja nicht, dass das Hinterrad durchdreht. Am besten du probierst es im Vorfeld aus. Wähle keinen zu leichten Gang. Denk dran: Du machst quasi einen Vollsprint aus dem Stand bis zur ersten Kurve.

Die richtige Kurbelposition:

Dein starkes Bein ist eingeklickt und steht auf 2–3 Uhr. So kannst du am schnellsten die meiste Kraft entfalten. Danach muss dein Standbein so schnell wie möglich einklicken. Erst dann – und wirklich erst dann – kannst du in den Wiegetritt gehen und voll loslegen. Bist du nicht sicher eingeklickt, kannst du leicht abrutschen und recht fies stürzen.

Cyclocross heißt: üben, üben, üben

In fast keiner anderen Radsportart kann man sich durch das Üben der Keyfähigkeiten so sehr verbessern wie beim Cyclocross. Und möchte man die verschiedenen Techniken sauber beherrschen, braucht man viel Geduld und Zeit. Merke dir: Du bist nie fertig. Es wird immer etwas geben, was man noch verbessern oder neu dazu lernen kann. Auf Youtube gibt es zahlreiche Videos, die dir wichtige Techniken gut veranschaulichen wie z. B. die von „GCN“.

Bei allen Tipps und Ratschlägen gilt vor allem: Mach es dir nicht zu kompliziert. Hab Spaß, tritt in die Pedale so schnell wie du kannst – und sau dich so richtig ein!

„Meine Beine sprechen für mich.“

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