Bahn frei fürs Laufrad – Was das erste Fahrrad für Kinder können muss

Laufräder

Der Sommer ist die perfekte Zeit für Kinder, um endlich Fahrradfahren zu lernen. Oder zumindest, sich darauf vorzubereiten. Vor dem Kinderfahrrad kommt das Laufrad – auch Pushbike genannt. Ob Kokua, Early Rider oder der Klassiker Puky: Die Auswahl an Lauflernrädern für ein- bis vierjährige Kids ist groß. Doch warum ist ein Laufrad überhaupt so wichtig für Kinder? Was müssen angehende Radler-Eltern bei der Anschaffung beachten? Und welche Fahrradmarke liegt bei den Kleinen im Trend? Ich habe mich mit unseren Bikefolks-Papas Lutz und Philip zusammengesetzt – und die wichtigsten Fragen geklärt.

Hallo Philip, hallo Lutz. Ihr habt euch seit kurzen zu echten Pushbike-Spezialisten entwickelt. Warum?

Lutz: Es war an der Zeit, dass meine Kleine ein Bike brauchte. Für mich als Bikenerd war klar, dass es kein 08/15-Ding sein würde. Und ich verstehe bis heute nicht, warum es so viele schlechte Kinderräder gibt. Warum muss ein Bike für einen Mini über 10 kg wiegen?

Philip: Nun ja, als ich 2013 das erste Mal Vater wurde, hatte ich zwei Monate später das erste Laufrad in der Garage stehen. Da ich selber auch auf Exoten stehe, durfte es natürlich auch kein Standardrädchen sein. Es wurde ein FirstBIKE. Als meine Tochter dann endlich groß genug zum Fahren war, stellte sich jedoch heraus, dass dieses Rad für Zweijährige absolut ungeeignet war. Also wurde es ein gebrauchtes Puky vom Flohmarkt. Das Ding war sauschwer – aber sie konnte damit laufen. Mit Kind 2 und 3 folgten dann noch Laufräder von Banwood und Kokua.

Was sind eurer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines Mini-Bikes?

Lutz: Erstens: Die Geometrie muss passen – auch zur Fahr- und Strampel-Haltung der Kinder. Zweitens: Natürlich das Gewicht. Und drittens sollte es auch cool aussehen.

Philip: Das Gewicht und die Geometrie müssen kindgerecht sein. Ein langer Radstand und ein tiefer Schwerpunkt geben Sicherheit beim Fahren. Der Rahmen sollte tief genug sein, so dass das Kind früh starten kann. Ich persönlich halte es für sinnvoll, erstmal ohne Bremse zu starten. Das hilft dabei, eine gewisse Radkontrolle zu erlernen.

Lutz: Bremsen waren mir auch erstmal nicht so wichtig. „Fahr-rad“ kommt ja schließlich vom Fahren und nicht vom Bremsen. Kleine Kinder können die Bremshebel eh nicht fest genug anziehen, dass es Sinn machen würde. Das kommt später. Aber natürlich sind auch die Komponenten wichtig. Ich wollte ein Rädchen mit ordentlichen Lagern, sodass das Rad auch rollen kann. Was meinst du Philip?

Philip: Da stimme ich Lutz voll zu. Um das Gewicht niedrig zu halten, sollten die Komponenten des Laufrads leicht und hochwertig sein. Wobei ich hier nicht sagen möchte, dass ein Kind mit einem alten Stahl-Puky keinen Spaß haben kann. Aber leicht und gut gelagert halte ich für kindgerechter.

Laufrad Kokua

Und für welches Modell habt Ihr euch letztendlich entschieden?

Philip: Ich bin aktuell großer Fan vom Kokua LIKEaBIKE jumper. Das war mir früher immer etwas zu teuer, aber ich muss sagen: Es lohnt sich!

Lutz: Ich habe mich letzten Endes für das Early Rider Bonsai entschieden. Auch wirklich kein Billig-Bike, aber die Optik und die hochwertigen Komponenten machen das locker wett. Ich wollte mich aber auch nicht später ärgern, weil ich zu geizig war. Die Kleine sollte einfach was Ordentliches haben – das will ich ja für mich selber auch. Ich muss zugeben, dass ich das Laufrad auch ein wenig für mich selbst gekauft habe. Das war dann eben auch ein emotionales Ding: erstes Bike und so.

Wie haben eure Kleinen auf die Bikes reagiert?

Philip: Mein Jüngster hat sich draufgesetzt und ist losgedüst. Das habe ich so noch nicht erlebt! Und auch die Großen nehmen noch gern die Laufräder her.

Lutz: Meine Kleine hat es zum 2. Geburtstag bekommen und hat sich mega gefreut. Sie hat es sich sofort geschnappt und die ersten Runden in der Wohnung gedreht – auch schon überraschend gut.

Early Rider Bonsai

Welche Vorteile hat so Pushbike für die Kids?

Lutz: Ein ganz wichtiger: Die Spaziergänge dauern nicht mehr ewig.

Philip: (lacht) JA!!

Lutz: Ich beobachte nur, wie es der Kleinen Spaß macht, alles neu zu entdecken – und zwar selber. Außerdem ist sie wie der Papa: Sie mag Geschwindigkeit!

Philip:Es ist gut fürs Gleichgewicht. Auch das Gefühl für Geschwindigkeit und das Reaktionsvermögen werden deutlich besser durch das Laufradfahren. Meine Großen haben dadurch beide an einem Nachmittag das Fahrradfahren gelernt.

Lutz: Ja, das stimmt. Es ist vor allem beeindruckend zu sehen, wie sie Fortschritte machen. Kinder lernen rasend schnell, sich sicher auf den Pushbikes zu bewegen. Ich mach dann einfach die Augen zu und hoffe, dass kein Schrei kommt!

Wie können die Eltern die Kleinen sonst noch beim Radfahren-Lernen unterstützen?

Lutz: Ich glaube, das Radfahren werden sie ziemlich gut alleine lernen. Kinder kapieren ja schon viel durchs Zuschauen. Wichtig für die Eltern ist es, die Kinder für die Umgebung zu sensibilisieren.

Guter Punkt. Wie gewöhnt Ihr Eure Kids an den Straßenverkehr?

Philip: Ich kenne das Stadt- und das Landleben. Und der Autoverkehr ist überall ein Problem. Ständig muss man Angst haben, dass die Kleinen vom Gehweg auf die Straße rollen.

Lutz: Da sehe ich tatsächlich eine große Herausforderung. Ich wohne zwar nicht in der Innenstadt, aber habe wirklich Angst, die Kleine zu weit von mir wegzulassen.

Es sind nicht nur die Autos. Ich habe jetzt schon öfters schlechte Erfahrungen mit anderen Radfahrern gemacht. Die nehmen einfach keine Rücksicht oder haben ihr Rad selber so schlecht unter Kontrolle, dass es völlig unnötig zu brenzligen Situationen kommt.

Philip: Das stimmt. Viele Radfahrer schimpfen, wenn die Kinder nicht rechts fahren. Liebe Radfahrer: Es sind Kinder!!

Lutz: Erklär denen mal das Rechtsfahrgebot.

Philip: Auch E-Bikes sehe ich als große Gefahr. Die sind selbst am Berg einfach zu flott unterwegs. O-Ton meiner Kids: „Boah, müssen wir schon wieder jemanden vorbeilassen?!“ Wenn man auf einer Strecke von 2000 Metern ca. 20 Mal an den Rand fahren muss, kann ich das verstehen.

Lutz: Es kommen doch immer mehr Räder auf viel zu wenig Raum. In meiner Kindheit musste man vor Autos und LKWs aufpassen, heute kommen noch E-Bikes und Roller dazu.
 So eine allgemeine Entspanntheit wäre da hilfreich. Da würde ich mich sehr drüber freuen.

Philip: Ja, da stimme ich Lutz zu. Das hilft auch den Eltern 🙂

Habt Ihr noch einen abschließenden Tipp für alle Eltern, deren Kids schon in den Startlöchern stehen?

Lutz: Mein Tipp: Nimm dir ein Wochenende, an dem du viel Zeit hast und fang an, mit dem Nachwuchs zu üben. Ohne Zeitdruck im Nacken ist das viel entspannter. Die Kleinen merken das – dann geht das Fahrradfahren-Lernen ganz schnell. Oft dauert es nicht lang, bis sie verstehen, wie es geht.

Philip: Wir müssen als Eltern auch einfach mal lernen, den Kindern zu vertrauen…

Lutz: …und sie nicht unter Druck setzen. Es soll in erster Linie Spaß machen – und zwar allen.

Philip: Und natürlich tut es auch ein Puky!

„Ob Stadtpark oder Islandrundfahrt – für mich gehört das Abenteuer dazu.“

Previous Post
Next Post

4 Comments

  • Bei uns war es damals der Klassiker PUKY in der etwas größeren Variante. Was war das schön, beim Spaziergang keinen Kinderwagen zu schieben sondern statt dessen dem Kurzen hinterher zu jagen! Nicht so schön war tatsächlich das Gewicht, wenn die Lust am Laufrad plötzlich weg war und Mama Kind UND Laufrad tragen durfte 😉

  • Sehr nettes Interview. Das erste Pushbike von meinem Sohn steht schon bereit. Er ist ja auch schon 7 Monate alt und Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude 😊. Ich habe mich für ein 10 Zoll bike von Frog entschieden, das bereits mit einer Innenbeinlänge von 24 cm bewegt werden kann. Wir sind jetzt bei 22 cm und bis wir bei 24 cm angekommen sind hat er dann das laufen sicher auch schnell gelernt. 😄

  • Das klingt sehr spannend!!! Man kann nicht früh genug mit dem Radfahren anfangen 🙂 Du kannst uns ja auf dem Laufenden halten, wenn dein Sohn die 24 cm Beinlänge erreicht hat . Das würde uns sehr freuen und vor allem interessieren 🙂

Schreibe einen Kommentar zu Marcel