Radfahren und Corona – Muss das Bike in Zeiten der Pandemie im Keller bleiben?

Kölner Hauptbahnhof Wenig Menschen durch Corona

Die Corona-Krise ist in aller Munde. Einige Länder in Europa haben die Schotten dicht gemacht, in einigen Region gelten Ausgangssperren, mehr als zwei Personen dürfen sich draußen nicht mehr zusammen bewegen. Weltweit rufen die Gesundheitsinstitute zu „Social Distancing“ auf. Was ist da noch erlaubt und was nicht? Darf ich mit mein Rad noch fahren? Sind Fahrradtouren in der Freizeit möglich? Wir haben uns die aktuelle Lage angeschaut.

Die gute Nachricht: Radfahrern in Corona-Zeiten ist erlaubt – egal ob zur Arbeit oder in der Freizeit. Gerade auf dem Weg zur Arbeit ist das Fahrrad im Moment sogar die bessere Wahl. Vor allem im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln (Sagt auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales). Die Bitte dabei: Haltet Abstand, fahrt nicht in Gruppen und haltet Euch an die Regeln – es wäre schade, wenn doch noch ein komplettes Ausgangsverbot notwendig würde. Welche Regeln das sind, lest Ihr hier:

Radfahren und Hygiene

Überall ist momentan von Hygiene („Nies- und Hustenetikette“) die Rede. Wenn du niesen musst, nimm bitte ein Einmaltaschentuch und niese nicht frei in die Landschaft. Von einem Fußgänger oder Radfahrer beim Überholmanöver offen angehustet werden? Das ist nicht nur unappetitlich. Das darf momentan nicht passieren! Also bitte: Mindestens 1,5 Meter Abstand zum nächsten halten – besser noch 2 Meter. Unser Tipp dafür: Öfter mal die Klingel benutzen: Die anderen Verkehrsteilnehmer werden es dir danken!

Und ganz wichtig: Wenn du unter Quarantäne stehst, halte Dich dran und bleib ganz zu Hause. Lass uns dafür sorgen, dass kein Radfahrer Schuld an einer neuen Infektionskette wird!

Radfahren und Immunabwehr

Sport beeinflusst unsere Immunabwehr. Genau deswegen, ist es ausdrückliche erlaubt, auch in Corona-Zeiten noch eine Runde mit dem Rad an der frischen Luft zu drehen. Mäßiger Sport ist positiv, zu intensiver Sport allerdings auch wieder negativ. Dies illustriert die J-Kurve. Die für Dich richtige Definition von „mäßig“ kannst du zum Beispiel über eine Leistungsdiagnostik beim Sportarzt herausfinden. Wenn dir das zu aufwendig ist, gilt folgende Regel: Geh nicht aus Deiner Komfortzone! Mach nur das, was Dir spontan gut tut (siehe dazu u.a. DZSM 10/2019 und Dt. Ärztebl. 1998; 95: A-538-541).

Radfahren und Fieber

Kurz und deutlich: Nein! Wer ernsthafte, messbare, Krankheitssymptome hat, soll Sport-abstinent – und in Corona-Zeiten ganz wichtig – zu Hause bleiben. Sportliche Aktivität mit Fieber beinhaltet ein hohes Risiko für eine Verstärkung der aktuellen Krankheit und für gravierende Folgeschäden – bis zur Herzmuskelentzündung mit Langzeitschäden. Das solltest du also vermeiden – nicht nur in Corona-Zeiten.

Radfahren und das Bier danach

Mach den Cool Down bei dir zu Hause! Und greif lieber zur alkoholfreien Variante – beim Alkohol gibt es keine J-Kurve. Alkohol schwächt die Immunabwehr (siehe dazu u.a. kenn-dein-limit.de).

Radfahren und das Leihrad

Das Robert-Koch-Institut schreibt zum Coronavirus: „Eine Übertragung durch Schmierinfektion / Infektion durch kontaminierte Oberflächen ist prinzipiell nicht ausgeschlossen“. Erklärt aber im weiteren Text, dass Tröpfcheninfektionen – also eine Ansteckung durch Husten oder Niesen – in den bislang untersuchten Infektionsketten wahrscheinlicher waren. Du bist vermutlich auf der sicheren Seite, wenn du dir die Hände „richtig“ wäschst, nachdem du ein fremdes Fahrrad benutzt hast. Und dir während der Benutzung nicht in der Nase bohrst (oder andere Schleimhäute berührst). Und wenn du versehentlich doch unterwegs die Fliege spontan aus dem Auge gewischt hast: Don’t panic! Eine Infektion auf diesem Weg ist wirklich sehr unwahrscheinlich.

Radfahren und Unfälle

Unfälle solltest du immer – aber auch momentan besser bleiben lassen. Ärzte und Röntgengeräte werden zurzeit dringend woanders gebraucht. Also: Fahr zurückhaltend, vermeide Risiken! Übe Deine neuen Sprünge, wenn das Gesundheitssystem die Überstunden wieder abgebaut hat.

Radfahren und „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“

Such dir die Wege und Zeiten, die Dir Freiraum geben. Nimm den Auftrag ernst, Abstand zu halten. Lass den Spaziergängern und Joggern ihren Raum und fahr dahin, wo die zwei Gruppen eher nicht hinkommen. Auch das ist Solidarität.

Vorläufiges Fazit

Genieße was möglich ist und sei verantwortungsbewusst. Hier ist es vielleicht angebracht, den aktuellen Gruß abzuwandeln. Nicht „Bleib gesund!“ sondern: „Halte dich gesund!“

„Mach langsam, dann hast Du mehr vom Pass!“

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2 Comments

  • Mein persönlicher Eindruck ist: die meisten Menschen haben es verstanden, und auf einmal beobachte ich eine ganz neue Kultur im öffentlichen Raum. Sei es beim Spazierengehen, beim Radfahren in Begegnungszonen oder wo auch immer: Man wird wahrgenommen, passt auf andere auf und ist extrem rücksichtsvoll.
    Anders als sonst wird mein Klingeln, wenn es gleich eng wird, gehört. Die Menschen schauen, wer kommt – und lächeln und grüßen. Wow!
    Auch beim Spazierengehen geht man zur Seite, und alle sind dabei freundlich. Man nimmt Rücksicht, damit andere gut vorbeikommen.
    Ich sehe zwar, dass uns das Virus nicht alle zu besseren Menschen macht. Aber wenn wir wahrnehmen, was gut funktioniert, gibt es vielleicht die Chance, dies in die Zeiten nach Corona rüber zu retten. Und rücksichtsvolles Miteinander im Straßen- und Freizeitverkehr, das wäre schon mal etwas Großartiges!

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