Radreise in Frankreich – Entspannte Tage auf dem Eurovelo 6

Perfekte Radfernwege

Frankreich ist für seine Radrennen bekannt. Dass man aber auch viel entspannter als die Jungs auf der Tour de France auf zwei Rädern unterwegs sein kann, erlebt man, wenn man auf den EuroVeloEuroVelo-Radfernwegen durch unser Nachbarland rollt. Die Fahrrad-Infrastruktur ist vielerorts nahezu perfekt, sodass auch eine längere Radreise nicht viel Vorbereitung braucht. Für unsere Tour suchten wir uns nur grob die Richtung aus und legten den Ausgangspunkt bei Mulhouse fest.Über das Radfahrerportal https://www.warmshowers.org fanden wir eine Gastgeberin, die für die folgenden Wochen ein Auge auf unser geparktes Auto haben würde, und machten uns auf den Weg.

Radfahren am Kanal

Wenn man von Basel kommend auf dem EuroVelo 6 nach Frankreich hineinfährt, zeigt die Route direkt, woran sie sich orientiert. Es geht entlang des Rhein-Rhone-Kanals, abseits des Verkehrs und ohne (nennenswerte) Steigungen. Die Landschaft ist von Wasser und Feldern bestimmt und kurz bevor es langweilig wird, führen Kanal und Route mitten durch Mulhouse. Hinter der Stadt wird die Route charmanter. Der schmale Kanal windet sich durch die Landschaft, durch kleine Orte und fast 100 m den Berg hinauf. Da Wasser nicht nach oben fließt, werden die wenigen Boote und Schiffe im Kanal über Schleusen Stufe für Stufe gehoben. Für die Radroute bedeutet das einen Wechsel zwischen ebenen Passagen und dann kurzen Anstiegen um fünf bis acht Höhenmeter, je nach Staustufe. Oben angekommen geht es dann über viele Kilometer im gleichen Rhythmus wieder bergab: zuerst waagerecht, um dann an jeder Schleuse kurz Schwung zu geben und das Durchschnittstempo wieder nach oben zu pushen. Schon hier ahnt man, warum der EuroVelo 6 zu einem der schönen und gleichzeitig leichten Radfernwege gehört.

Im Tal der Doubs

Hinter Montbéliard dann Szenenwechsel: für die kommenden 150 km geht es durch das Tal der Doubs. Auch hier fährt man vorwiegend abseits des Verkehrs entlang des Flusses oder des teilweise parallel verlaufenden Kanals. Auf den kurzen Strecken, auf denen man sich den Weg mit Autos teilen muss, fordern spezielle Schilder zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf. Die Landschaft wird von Feldern und den Hügeln bestimmt, in die sich der Fluss gegraben hat. Streckenweise geht es entlang imposanter Felsen und immer wieder durchquert man kleine, nette Ortschaften.

Hinter Dole wechselt der EuroVelo 6 zur deutlich breiteren Saône und führt teilweise abseits vom Fluss nach Chalon-sur-Saône. Anschließend geht es entlang des Canals du Centre Richtung Loire. In vielen Staustufen steigt der Kanal in die Hügellandschaft des Burgund und ermöglicht den Ausblick in die Weinberge der Region. In meinen Augen eine der schönsten Teilstrecken der Route. Teilweise verläuft hier aber die Landstraße am Kanal, sodass der Radweg in die benachbarten Hügel ausweicht. In der Nachmittagshitze und angezogen vom Campingplatz am See entscheiden wir uns, den kurzen Weg entlang der Kanalstraße zu nehmen. Auf der Straße ist nur wenig Verkehr, der Wind unser Freund und so ignorieren wir eine zeitlang die Schilder zum EuroVelo 6 und setzen auf Geschwindigkeit, was sich als völlig problemlos herausstellt.

Radregion Loire

Unser Fahrrad-Computer zeigt schon fast 450 km zurückgelegter Strecke, als in Digoin der Kanal zusammen mit dem Radweg plötzlich über eine lange Brücke führt. Unter uns: die Loire. In dem breiten, unregulierten Flussbett aus Sand und Kies verändert die Loire ihren Lauf ständig. Sie ist einer der schönsten Flüsse Europas und bekannt für die Vielzahl an Schlössern und Palästen an beiden Ufern. Zwischen Sully und Chalonnes ist sie UNESCO Weltkulturerbe. Von Digoin aus haben wir noch gut 700 km Radweg vor uns bis zum Endpunkt des EuroVelo 6 am Atlantik. An der Loire ist man offensichtlich willkommen mit dem Fahrrad. In der Region sind viele Wege ausgebaut, beschildert und für Reiseradler ein Eldorado. „La Loire à Veló“  ist überall präsent. Wir fahren entlang des Seitenkanals, auf alten Bahntrassen und oft auf dem Hochwasserdamm der Loire. Immer wieder wechseln wir die Flussseite. Die Strecke verläuft über kleine Nebenstraßen, vorwiegend aber abseits des Autoverkehrs. Die Route ist auch familientauglich und wir begegnen etlichen Familien mit kleinen Kindern, die auf Radreise sind.

Frankreich ist Genuss

Immer wieder sind es die kleinen Orte mit ihren Bars und Patisserien, die unseren Flow stoppen. Dann wieder Schlösser, Gärten und weite Ausblicke über die Weinlandschaft. Die Region ist zu schade, um nur Kilometer zu machen. Orléans fasziniert uns, Saumur und seine Umgebung locken uns zu Umwegen. Unsere Tagesetappen sind nicht  vorab geplant und erst am Nachmittag des jeweiligen Tages checken wir bei einem der französischen oder internationalen Buchungsportalen ein Quartier. Vom Zelt über den Bauwagen, das Privatzimmer bis zum herrschaftlichen Loire-Schloss (unbedingt machen!) finden wir günstige Unterkünfte und treffen auf nette Menschen. Über Esskultur und Weingenuss muss man in Frankreich kein Wort verlieren. Alles ist gesagt und für uns war das auch ein Argument für die Auswahl der Destination dieser Tour.

Am Atlantik ist noch lange nicht Schluss

In Nantes endet endgültig die schöne Loire-Landschaft. Die Großstadt beeindruckt uns mit guter Fahrradinfrastruktur, die es uns möglich macht, sie zügig zu queren. Noch am gleichen Tag fahren wir über nun schon eher ruppige Wege gen Atlantik, unserem Tagesziel. Nach 12 Tagen und gut 1.200 km erreichten wir Saint-Brevin-les-Pins, den Endpunkt des EuroVelo 6. Er ist 3.653 km von seinem anderen Ende in Constanta/Rumänien am Schwarzen Meer entfernt. Mit Handschlag und Selfie werden wir vom örtlichen Tourismusangestellten begrüßt. An dieser Stelle steht uns die Option offen, den EuroVelo 1 (8.186 km von Norwegen nach Portugal), die Velodyssée in die Bretange oder den Vélocéan weiterzufahren. Wir haben noch zwei weitere Wochen Zeit und entscheiden uns für den Weg nach Süden. Doch das ist eine andere Geschichte und soll später in diesem Blog erzählt werden.

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// Bilder: bikefolks/Steffen

„Für mich ist Radfahren die selbstverständlichste Fortbewegungsart.“

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